Dresscode in der schwarzen Szene

BUTTONDer aktuelle Kolumnenbeitrag von Myk Jung im Gothic Magazine hat mich nachdenklich gestimmt.
Wir alle lieben die Farbe Schwarz. Wir tragen sie, weil es Teil unserer Persönlichkeit und unseres Stils ist. Das ist natürlich subjektiv, denn es gibt ja auch viele, denen es hauptsächlich „nur“ um die Musik geht und denen die Kleidung eher zweitrangig ist. Für mich persönlich ist die Kleidung eine optische Verdeutlichung des favorisierten Musikstils, so ist das ja in jeder Szene, aber auch der Persönlichkeit. Wobei natürlich jeder für sich selbst entscheidet, welche Bedeutung die Farbe „Schwarz“ hat. Das sei mal dahin gestellt.
In „unseren“ Clubs oder „Grüften“ wollen wir für uns sein und unsere Zeit mit uns ähnlichen Gestalten verbringen, weil das „unsere“ Welt ist, fernab vom Trubel, der aufgesetzten Heiterkeit und dem Gruppenzwang der harten, gewöhnlichen Gesellschaft.
Nur, sind wir eigentlich wirklich anders? Das leidige Thema Toleranz und Cyber etc. kommt jedes Mal zum Tragen, wenn man sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Wir schotten uns ab, schotten aber auch andere ab, die nicht so sind wie wir. Das kann natürlich erst einmal ein löbliches, subjektives Ziel für einen selbst sein, will man ja von Glotzern und Spießern in Ruhe gelassen werden. Gleichwohl sind wir aber selbst Glotzer und Spießer, im Grunde sind wir plötzlich das, was wir eigentlich verabscheuen. Hassen uns selbst. Und wer sich selbst nicht mag, dem können die anderen den Buckel runter rutschen. Das ist natürlich nicht schlimm, jeder daddelt vor sich selbst hin und lässt die Welt Welt sein. Wirklich bescheuert wird es meiner Meinung nach aber dann, wenn es zu einer Ideologie wird. Wenn man auf Websites von Veranstaltern Dinge zu lesen bekommt wie dies hier: http://nachtwerk.jimdo.com/hintergr%C3%BCndiges/

Es ist nicht verkehrt, sich seinen Schutzraum zu schaffen. Es ist vollkommen in Ordnung, ihn sich zu erhalten und ihn vor ungebetenen Gästen zu schützen. Dann sollte man dies aber in Form von Privatpartys mit geladenen Gästen tun und nicht darauf hoffen, dass man kommerziell erfolgreich damit ist. Denn kommerziell ausgerichtete Veranstaltungen ziehen nun mal jede Art von interessierten Gästen heran, ganz gleich, ob es sich um die tiefsten Schwarzträger oder den buntesten Buntträger handelt, im Idealfall noch agressiv oder sonstwie unhöflich. Denn Drohungen oder Gewalt gehen überhaupt nicht. Nichts spricht gegen Klatsch und Tratsch, aber bitte in friedlicher Form. Daher fand ich es sehr interessant, Myk Jungs Artikel hier zu veröffentlichen, um mal seine subjektive Meinung zu diesem Thema „Dresscodes“ in der Szene zu veranschaulichen. Und bei seinen Folgerungen habe ich schon ein wenig Bauchschmerzen bekommen.

Meine persönliche Einstellung ist, dass „schwarze Szene“ auch schwarze Kleidung bedeutet. Ich persönlich würde nie auf den Gedanken kommen, in Schweinchenrosa mit Blue-Jeans und Nike-Schuhe auf einer Gruftie-Tanzfläche herumzuwirbeln. Dazu würde erstens mein Gesicht voll Scham schweinchenrosa anlaufen und zweitens mag ich persönlich keine bunten Klamotten an mir. Das bringt mich zum zweiten Punkt: Wenn ein oder zwei Farbkleckse in der schwarzen Masse auftauchen, ist das nicht mein Problem. Meine Sorge ist eher die, dass ich der einzige wäre, der in Schwarz zwischen lauter bunt gekleideten Menschen rumtanzt. Auf einer schwarzen Party. Dann wäre wirklich etwas schief gelaufen, zumindest syntaktisch von den anderen her. Ich lasse andere machen, was sie wollen, solange sie mir nicht auf die Nerven gehen. Es ist mir egal, ob da ein paar Cyber-Krieger, die mich immer an Aliens aus „Avatar“ erinnern, herumhüpfen, solange sie nicht die Mehrheit bilden und die gespielten Musikwünsche des Abends dominieren. Denn dann wüsste ich, dass es Zeit ist, für mich zu gehen. Nach Hause zu fahren, um dort meinen Abend mit vertrauten Klängen und in Kerzenschein zu verbringen, so wie ich es mag. Denn jeder ist sich selbst der „Szenste“.

Das Copyright light natürlich beim Gothic Magazine, sollte es Beanstandungen geben, werde ich die Grafik selbstverständlich entfernen.

dresscode

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