Monat: September 2014

Gastbeitrag: Das Manifest, das keinen interessiert

Ist es nicht schon fast ironisch amüsant, dass der Mensch der versucht Beziehungen zu kitten und Menschen zu versöhnen am Ende immer wieder der Sündenbock für alles und jeden ist? Man möchte doch meinen, die Geschichte hat uns das beigebracht aber dennoch – rennen wir immer wieder genau damit in unser verderben. Worte werden einem im Mund umgedreht und Sätze aus dem Zusammenhang gerissen weitergegeben mit völlig anderem Tenor. Eigene Fehler und eigene Schuld wird auf den Sündenbock abgegeben, als wäre er ein seelenfresser, dessen Aufgabe es ist die wuchernden Krebsgeschwüre des Fehlverhaltens anderer, sich zu eigen zu machen.
Es ist das einfachste und das angenehmste, dem Menschen der sich alle Seiten anhört und versucht zu verstehen, die Schuld an allem zu geben und ihn durch den Dreck zu ziehen, letztendlich auch mit Lügen. Witziger Weise gehen die meisten Menschen davon aus, das wenn man etwas nachvollziehen kann oder verstehen, man automatisch der gleichen Meinung ist. De, ist aber nicht so. Man kann vieles verstehen und es dennoch als falsch, unnötig und schlichtweg daneben befinden. Versteht man allerdings 5 Seiten zu einem Thema (es sei dahin gestellt wie man die Seiten für sich selbst sieht) ist irgendwann ein Punkt angelangt, an dem jedes Bestreben, keiner der fünf Seiten in den Rücken zu fallen, einfach unmöglich ist. Spätestens hier sollte man erkennen, dass man zu lange versucht hat zu verstehen, zu kitten und man einfach zu lange zugehört hat. An diesem Punkt muss man sich entscheiden. Sich selbst nicht in den Rücken zu fallen steht an oberster Stelle, danach der Mensch den man liebt. Die Entscheidung ist einfach, die Konsequenzen nicht. Denn dadurch, dass man zu lange zugehört hat, verstanden hat, und Menschen nicht verstehen zu scheinen, dass Verständnis nicht gleich gutheißen und Situationen genauso sehen bedeutet, ist man im Mittelpunkt des Kreuzfeuers. Es ist mehr eine Frage der Zeit, als eine Frage ob, bis jemand sich diesem Verständnis bedient um einem, den Strick draus zu drehen und den Sündenbock zu erschaffen. Logisch, wer kennt alle Meinungen und Gedanken? Wer war so naiv und glaubte Verständnis und zuhören würden Beziehungen retten können? Wer weiß schlichtweg zu viel und hat es gewagt dem Feind die gleiche Zeit zu schenken?
Der Sündenbock kommt nicht mehr zu Wort. Es ist egal, was er dazu zu sagen hat, oder wie es wirklich war.
Menschen brauchen jemanden dem sie die Schuld für ihr Fehlverhalten und ihre Probleme geben können. Was immer sie nachts besser schlafen lässt und sie tagsüber besser aussehen lässt. Wahrheit und Ehrlichkeit spielt in solchen Momenten keine Rolle mehr. Der Grundrespekt einem Menschen gegenüber einfach weil er Mensch ist, geht in dem Moment flöten, wenn man ihn zur Zielscheibe macht. Wozu Gedanken machen ob es wahr ist? Warum nachhaken und nachfragen? Wenn es doch so bequem ist.
Aus den Gründen kann man eine Gleichung erstellen. Einmal Sündenbock=nie wieder Vertrauen in die Menschheit. Denn es ist egal wie gut man etwas meint, wir sehr man sich bemüht, wie viel Dinge richtig zu machen einem bedeutet. Es wird immer irgendwann eine Situation kommen, in dem einem aus seiner Menschlichkeit und dem Glauben an das moralische menschliche in anderen ein Strick gedreht wird. Es ist was wahres dran, dass derjenige der helfen will der Dumme ist am Ende.
Vielleicht ist die Welt nicht bereit für Menschen die zu moralisch und gerecht sind, oder versuchen es zu sein. Den das gleiche Gehör für alle Seiten zu haben, ist plötzlich ungerecht und Verständnis zu haben bedeutet man hat zugestimmt. Vielleicht ist die Welt nicht bereit für keine schwarz/weiß Denker.
Ich hör dem Sündenbock zu. Weil er meistens fälschlicherweise einer wurde, so wie ich. Ich hör mir die Seite der verdammten an, weil sie meistens ehrlicher ist und ich selbst einer bin.
Und allen Rate ich nur als erstes mit dem Finger auf sich zu zeigen und den ersten Stein auf sich zu werfen. Dreimal zu überlegen bevor man sich sicher ist mit etwas und jemanden.
Und glaubt mir, Karma existiert.

Autor: Anonym

Young & Cold II

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Samstag, den 13. August 2014.
Mein Reisebus kriecht im Schneckentempo über die Autobahn A8 Karlsruhe via Stuttgart auf dem Weg nach Augsburg, tiefstes Bayern. Meine Mission: Lebendig das zweite Young & Cold Festival zu erreichen, dessen Debüt im vergangenen Jahr 2013 ich zu meiner Schande verschlafen habe. In der Hoffnung, noch rechtzeitig anzukommen, steht mir der Schweiß im Gesicht. Es ist nicht die Angst, vor der hohen Geschwindigkeit von nahezu einem Meter pro Stunde, sondern die Angst, etwas zu verpassen.Doch pünktlich um halb zwei am späten Nachmittag bleibt der völlig ausgepowerte Fernbus ächzend in einer Raststätte bei Augsburg stehen. Jippi! Nun nur noch schnell in die Straßenbahn gehüpft – was gar nicht so leicht ist nach fast drei Stunden Sitzen – und ab ins Hotel zu Stifi und Franzi, um der optischen Erscheinung noch die würdige Unterstreichung zu geben.

PIKES! Wohin das Auge reicht… ich habe bisher noch nie so viele Exemplare dieses alterwürdigen und fast anachronistischen Schuhwerks in einem Raum liegen sehen. Meine beiden Freunde scheinen ihre komplette Sammlung mitgenommen zu haben, denn irgendwie tauchen sie überall wieder auf, egal ob in Koffern oder hinter versteckten Schranktüren. Eine Wand aus Nebel kriecht bedrohlich aus dem Badezimmer entgegen. Es handelt sich um eine Mischung aus Haarspray und Toupier-Puder. Herrlich!
Auf meinem Haupt steht schon nach kurzer Zeit eine Miniaturvariante des Eiffelturms, nur nicht ganz so verrostet. Stifi sei Dank 🙂

Und auf geht’s. Weil ich leider aufgrund meiner Schicht den ersten Teil des Festivals am Freitag nicht miterleben konnte, bei dem unter anderem „Elvira And The Bats“ sowie die „Fliehenden Stürme“ spielten, will ich heute ganz genau aufpassen. Wurde Freitag das musikalische Augenmerk auf den Klang der Gitarre gelegt, so sind es heute die Synthesizer. In der Location angekommen, die übrigens zweistöckig ist, ertönen uns gleich die ersten Töne von „Neon Romance“. Haben sie mir auf Platte eigentlich ganz gut gefallen, so bin ich ein wenig von der optischen Erscheinung irritiert. Helene Fischer hatte ich gar nicht erwartet 🙂 Aber gut, jede Menge Leute sind gekommen, manche die ich bisher noch nicht persönlich getroffen habe, aber nun endlich auch mal „lebendig“ zu Gesicht bekomme, was mich sehr freut. Durch die Umbau-Pausen gibt es auch keine Überschneidungen, so dass man alle Bands sehen kann. Meine musikalischen Highlights an diesem Abend: „Oppenheimer MK II“, ehemals „Oppenheimer Analysis“ neben „Ben Bløødygrave“.Pikes

Fazit: Klein, fein, handgemacht und familiär. Pikes. Haare. Schwarz. Schön. Für mich ist das Young & Cold genau das, was es in der „Szene“ mehr geben sollte, fern vom schwarzen „Mainstream“, aber dennoch lässt es sich messen. Mein Favourit 2014. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder.

https://www.facebook.com/YoungAndColdFestival?fref=ts

Festival-Bilder: https://www.facebook.com/uomo.black.39/media_set?set=a.1461307857466587.100007621603527&type=3https://www.facebook.com/uomo.black.39/media_set?set=a.1461307237466649.100007621603527&type=3