Monat: Februar 2016

Gothic Friday 2016: Wie bist du in die Szene gekommen?

Es ist eine Weile still gewesen hier auf meinem Blog. Verdammt still. Ich muss gestehen, dass ich in der Zwischenzeit fast vergessen hatte, dass diese Seite überhaupt noch existiert. Ich habe so viele Gotikaturen gezeichnet, dass ich den „Mondboten“ völlig verdrängt hatte und nun sehe ich mit Grausen all meine alten Peinlichkeiten, die ich in jugendlichem Grufti-Ernst verfasst hatte.

Auf Spontis gibt es mittlerweile wieder den „Gothic Friday“, was mich sehr freut, da ich mich noch gut an die vergangenen Beiträge all der bloggenden Schwarkittel erinnere und nun ist es wieder soweit. Thema: „Wie bist du in die Szene gekommen?“
Das ist zumindest für mich persönlich eine relativ einfache Antwort.
Ich wuchs als Lehrerkind bei meinen Eltern in Bruchsal, einer kleinen, verstaubten Beamtenstadt bei Karlsruhe auf. Da meine beiden älteren Schwestern bereits ausgezogen waren, als ich in die Pubertät kam, hatte ich niemanden, den ich großartig ärgern konnte, und so so war ich auf mich allein gestellt. Seit Kindesbeinen an, hatte ich eine große Affinität für Vampire. Ich liebte die Serie „Der Kleine Vampir“ von 1986 mit Jim Gray und ar begeistert von dessen Song „They Can See In The Dark“, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte.
Da ich schon damals sehr viel zeichnete, waren auch meine Illustrationen und Comics eher düster, was allerdings niemanden sonderlich zu stören schien. Im Gegenteil, oft hatte ich das Gefühl, dass sich kein Mensch für meinen Kruscht interessierte. Und so hatte ich alle Narrenfreiheit, die ich benötigte.
Eines Tages, es muss etwa 2004 gewesen sein, schleppte mich meine Schulfreundin Grit ins XtraX und den Spirit Shop, der sich damals noch am Prinz-Max-Palais direkt hinterm Europaplatz befand. Die Weihrauch- und Patchouly-geschwängerte Luft hatte es mir sofort angetan. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Die schwarzen Klamotten, der Silberschmuck, überall Schädel und Fledermäuse…. diese Ästhetik war einfach genial: Ich fühlte mich wahrhaftig wie in einer Gruft. Auch das etwas befremdliche, distanzierte Verhalten der anderen Kunden gefiel mir irgendwie. Es hatte etwas von einer anderen Welt, die ich heutzutage oft vermisse.
Auch musikalisch war hier vieles für mich neu. Da ich bereits vorher eher gitarrenlastige Musik bevorzugte, fand ich mich hier ebenso zu Hause und war erstaunt, dass mir plötzlich auch synthetische Klänge zusagten. So waren „Deine Lakaien“ eine der ersten „schwarzen Bands“ für mich.
Musikalisch habe ich mich allerdings über Lastfm und andere Plattformen „gebildet“ und blieb schon sehr früh bei meiner absoluten Lieblingsband „The Cure“ hängen, die mich bis heute begleiten.
Robert Smith war immer mein großes Vorbild, darum versuchte ich mich immer möglichst ähnlich wie er zu kleiden und mir auch seine Wuschelfrisur anzueignen.
Man kann mich gerne „Mainstream-Oldschool-Grufti“ nennen, das ist für mich ok, denn ich stehe dazu, dass ich die „Sisters Of Mercy“, aber auch Minimal Wave und so Kram heute immer noch höre und nicht jeden Scheiß des Undergrounds kenne, das möge man mir vergeben, denn ich bin jetzt einfach alt 🙂
Es folgten viele Konzerte und Festivals, meine Klamotten wurden immer schwärzer, bis ich nichts anderes mehr trug – selbst im Berufsleben ist es mir „Goth“ sei Dank gestattet.
Eigentlich ist dieser Blogbeitrag Blödsinn, denn was schreibe ich nicht schon Interessantes, was viele andere auch schon verfasst haben?
Also, richtig „in der Szene“ aufgenommen fühle ich mich, seit mein Projekt „Gotikatur“ etwas in Umlauf geraten ist und ich dadurch einiges zu tun habe. Es bereitet mir eine wahnsinnige Freude, zumindest einen kleinen, kreativen Teil zur schwarzen Szene beitragen zu dürfen. Das ist für mich Lebensinhalt. Das möchte ich tun, bis ich früher oder später sterben werde. Hoffentlich erst in einer Weile, aber bis dahin möchte ich noch sehr viel kritzeln 😉