Gastbeitrag

Gastbeitrag: Ina Wölfin – Meine ganz persönliche Sicht der Dinge – Teil I

Es war einmal – so könnte ich beginnen, denn Gruftis/Gothics und was damit zusammenhängt, ist tot und die Klischees werden langsam totgetreten. In den 80ern sah man die Wesenheit, die sich Grufti nannte (mir kam das Wort oder die Bezeichnung „Gothic“ erst in den 90ern zu Gehör). Es waren eben jene, die eine Mischung aus Punk und Totengräber waren, und mit schwarzem Humor und dunklen Gedanken dem dunklen Pfad folgten, den man in der Finsternis gar nicht sehen konnte, „No Future“ war es in den 80ern und paßt auch in die heutige Gedankenwelt. Mag sein, dass es immer Menschen gab und geben wird, die anders sein wollen. Nicht angepasst und bunt, nicht Stino und langweilig. Mit einem solchen Look konnte früher mancher Mensch geschockt werden. Das war das Ziel, schockieren und in Ruhe gelassen werden mit all dem täglichen Normalowahnsinn. Sich über Tod und Teufel unterhalten können ohne dass der Gegenübersitzende schreiend die Flucht ergreift und sich dabei hektisch bekreuzigt. Über Kriege diskutieren, über Apokalypse, Weltuntergang, Atomkrieg, psychische Krankheiten, Mord und Totschlag. Dazu Musik, die genauso unterhaltsam ist wie diese Themen. Sicher wurde und wird auch über Politik geredet, doch soweit möglichdoch neutral, „sich austauschen“ nennt sich das. Ohne Vorurteile zu sein gegenüber Figur und Optik eines Menschen, tolerant gegenüber jedem Thema und jeder Meinung. Doch das mag den Damen und Herren auf dem Throne unserer Demokratie nicht gut schmecken. Sind doch diese seltsamen rätselhaften gruseligen Gestalten zu undurchsichtig. Und die Politiker sind doch eher darauf aus, dass Mensch vereinzelt wird, denn Gruppen könnten ja schon eine Demo werden und dann müssen sie wieder die Polizei losschicken, die drauf haut ohne zu fragen. Mensch muss durchschaubar sein, Mensch ist allein besser kontrollierbar und mit Angst leicht zu unterdrücken und gut zu lenken. Sollte es da etwa Menschen geben die sich davon nicht beeindrucken lassen wollen? Die nicht jeder Werbung blind folgen und alles glauben was aus dem TV quillt? Das geht aber nicht und neben Gruftis/Gothics gibt es janoch Punks, HipHopser und Emos und… was auch immer. Wie dagegen angehen ohne gegen die Demokratie zu verstoßen, Gesetze können sie nicht machen, die sowas verbieten, das wäre Diktatur. Also nimmt man „Schwarz“ auseinander – und bekanntlich ist Schwarz die Summe aller Farben. So beginnt es, dass in diversen TV Sendern Dokus über „Gothic“ laufen,vorrangig das WGT (Wave Gothic Treffen). Dann wird Gothic in diversen Soaps, Talkshows und sonstigen Sendungen vermurkst, Halbwissen bzw. Unwissenheit ist da das kleinste Problem. Denn die Wahrheit soll ja gar nicht an Licht kommen. Normalo-Mensch sitzt dröge vor der Glotze und frisst denn Dreck stillschweigen. So ist dann „Gothic“ was ganz Alltägliches dank „GZSZ“, „Unter uns“, „Einstein“, „NCIS“, „Weddingplaner“, „Wohnungssuchsendung“ (was weiß ich wie das heißt!). Um das ganze noch zu verstärken, werden Bands plötzlich von Produzenten entdeckt und verkommerziallisiert, zumindest jene, die es mitmachen und siehe da, es werden Stars –  und alle Stinomenschen glauben einen neuen Gott gefunden zu haben. Aus der sogenannten „Gothicszene“ wird dann ein (wahrhaft) buntes Gemisch aus Cyber/Techno, Metal, Blackmetal, Neofolk, Elektro, EBM, NDH, NDW, Wave, Minimalelektro, Punk undwasweißichnichtnochalles! „Schwarz“ ist out, weil – ja warum denn immer „schwarz“? Ja und „tolle ranz“ gibt’s nicht mehr. Wer nicht „X-trax“ trägt is uncool, wer nicht megageschminkt ist und so bitte täglich auch zum einkaufen geht, kein echter Gothic. Dick ist uncool und dünn ach je – immer diese Magersucht! Bei all dem Irrsinn und Schwachsinn ist Meinereinerwenigkeit fast glücklich mal in bösen Negativschlagzeilen zu lesen das Gothics ja doch böse Mörder sind, die böse Musik hören (wie Lacrimosa… Insider grinsen jetzt). Aber nun da so ziemlich alles an Jugendlichen wieder hübsch vereint in „einer“ Gruppe ist, sind sie wieder gut überschaubar, bzw. kontrollierbar, weil sie nun dazu beitragen (müssen), die Wirtschaft anzukurbeln, denn Gothic-Kram gibt’s nun überall oder das, was dazugemacht wird. X-trax verkauft pupsrosa und quitschgelbe Klamotten! Während Stinoläden Lack, Leder, Rüschen, Schnallen, Schwarz, Drachenaufdrucke usw. verkaufen. Da es bezahlbarer ist als X-trax und Co. zieht man es vor. Selber schneidern muss niemand mehr und so ist die Kleidung massentauglich und Gruftis gibt es nicht mehr nur noch „new Gothics“. Ich bin alt in jeder Form und ich BIN Grufti, Bekleidung schwarz, sonst ist eigentlich alles erlaubt. Welch Glück, aber auch Unglück, dass in Köpfe nicht hinein gesehen werden kann. Denn oft erkennt sich Grufti nur noch am Verbalen Gedankenaustausch. Das Thema Nazis in der Schwarzen Szene ist nichts Neues. Seit den 90ern gibt es sie dank Neofolk und selbst im Zillo gab es eine Anzeige einer bekannten Nazi-Zeitung. Auf dem WGT stehen rechte Verkaufsstände und es sollen sogar rechte Bands auftreten. Das, gebe ich zu, habe ich nur gelesen und gehört, denn auf dem WGT war ich noch nie. Inzwischen gibt es vermutlich rechte Gothic-Foren und es geschieht, was einst der Skinhea/Ska-Szene geschah. Darum meide ich Diskotheken auch größtenteils. Zum Ende gibt es nur noch das eine: Es bleibt zu hoffen, dass sich ein paar weiterhin im Untergrund verstecken, gemeinsam der Dunkelheit und ihren Themen fröhnen – und das Gruftidasein unsterblich bleibt und SCHWARZ.
Ave Satanas! Amen oder was auch immer, schönes Leben noch.

Ina Wölfin