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Wave-Gotik-Treffen 2016 – Vom Regen in die Traufe

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Also ich muss schon sagen, dieses Jahr machte das WGT wirklich seinem Namen alle Ehre.
Nicht nur, dass es am Freitag, den 13. Mai losging, hauptsächlich des Wetters wegen.
Wenige Tage zuvor musste die Gruftischar entsetzt feststellen, dass das diesjährige Wave-Gotik-Treffen von den „Unheiligen“ heimgesucht würde. Verzeihung, „Eisheilige“. Es war dementsprechend kühl, regnerisch und windig, gerade dies ist für den Oldschool-Grufti eher tödlich. Ein toupierter Kopf scheut all dies wie Dracula das Sonnenlicht.

Doch all diese Unannehmlichkeiten sind höchstens Probleme, aber keine Hindernisse.
Und so machte sich unser Trio auf gen Leipzig, die Gothmum und ihr Töchti von Köln und meine Wenigkeit von Karlsruhe aus.

Bereits die Hinfahrt war interessant: Man stelle sich vor, eine einzige kleine schwarze Gestalt, mit einem schweren Koffer und diversen Regenschirmen – sowohl mit als auch ohne Spitzenstoff und Rüschen geschmückt – schleppt sich keuchend zur näherkommenden Straßenbahn und wird unmittelbar im Eingangsbereich von einem Punk angesprochen. Wo es denn hinginge und so. Ein freundliches Gespräch entwickelt sich. „Ja, ich war auch früher immer zum WGT in Leipzig, bis 2001, als dieses Chaos-Festival war. Ich war früher auch mal so ein Kaputter wie du.“
Kurz bevor wir den Hauptbahnhof erreichen, öffnet er seinen wuchtigen Rucksack und olt eine Schallplatte heraus. Er drückt sie mir in die Hand und sagt knapp: „Die schenke ich dir, du bist nett.“ Schwuppdiwupp ist er weg.
Verblüfft stehe ich da, mit einem Album der Virgin Prunes in der Hand. Erstaunlich, in einer Stadt wie Karlsruhe, in der man Menschen mit gutem Musikgeschmack an einer Hand abzählen kann, schenkt mir jemand einfach so eine Platte, die sicher sehr rar ist, und und macht sich dann ohne ein weiteres Wort vom Acker.

Den ICE in Richtung Frankfurt erreiche ich überpünktlich. Gerade will ich mein Gerümpel auf meinem freien Nebensitz verstauen, erscheint vor mir eine unheimliche Fratze: „Hab‘ ich dich, Grufti!“ Einen Moment lang bleibt mein Herz stehen, dann wird mir klar, dass das Gesicht zu Stephan gehört. Er und Franzi haben offensichtlich den selben Zug gebucht wie ich. Wunderbar, dann habe ich immerhin Gesellschaft. Und Ruckzuck geht auch tatsächlich die Zeit herum.

Um 9.24 Uhr stehen wir im Leipziger Hauptbahnhof, auf die Minute genau.
Die beiden haben noch einige Stunden Zeit, bevor sie in ihrem Hotel einchecken können, das zentral zwischen Felsenkeller und Täuchental liegt, welche man bequem innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreichen kann.
Mein Ziel liegt allerdings außerhalb der Stadt Leipzig, nämlich in Belgershain, wo wir bei Freunden der Gothmum über das WGT verweilen dürfen. Ein wunderschönes über 250 Jahre altes Pfarrhaus mit Kreuzgewölbe und steinernem Boden im Erdgeschoss. Man fühlt sich gleich um Jahrhunderte zurückversetzt. Mit diesem ganzen „Victorian Picknick“-Gedöns kann ich persönlich nicht viel anfangen, aber wenn es um Architektur und Kunst geht, schlägt mein Herz definitiv weit vor 1900-Nochwas.

In Belgershain erwarten mich schon meine Gruftine und ihre Gothmum an der Bahnhaltestelle. Die Gegend ist ruhig und ländlich, man hört kaum einen Laut als die Vögel und das Rascheln der Bäume im Wind. Bedrohliche Wolkentürme bäumen sich auf, der Himmel verfinstert sich, als wir wie drei Boten der Apokalypse zum alten Pfarrhaus marschieren, meine Gruftine in ihrem berüchtigten Stechschritt voraus und die Gothmum und ich keuchend hinterher trabend.
Viel Zeit haben wir nicht, erst heißt es, die Hausherren zu begrüßen, eine Tasse Kaffee herunterzuspülen, um schon bald wieder in die Stadt zu fahren, obwohl das WGT offiziell erst am folgenden Tag beginnen wird. Die Schlange für die Bändchenausgabe ist wieder einmal sehr, sehr lang. Allerdings kommen uns Ronny Rabe und Jens entgegengelaufen und so verkürzt sich die Warterei etwas. Man fühlt sich schon ein wenig wie eine Zoo-Attraktion, weil ständig irgendwelche Menschen mit Kameras um einen herumschleichen und fotografieren wollen, als sei man irgendeine exotische Tierart mit komischen Federn auf dem Kopf.
Wir hören einen interessanten Vortrag im ägyptologischen Institut und besuchen das anliegende Museum.
Eigentlich hatten wir ursprünlch vor, zur Eröffnungsfeier des WGT im Abenteuerpark „Belantis“ zu gehen, weil wir dort im Tal der Könige Achterbahn fahren und nach Dinosaurier-Skeletten graben könnten – nicht zu vergessen die schwarze Zuckerwatte, passend in den situativen Kontext – aber wir sind müde und fahren bereits zeitig nach Belgershain zurück, mit ein paar neuen Schuhen für die Gruftine und vielen Süßigkeiten für die Allgemeinheit.

Der Freitag beginnt früh. Während die meisten bspw. nach der Gothic Pogo Party wohl erst ins Bett fallen, stehen wir bereits gegen 9.00 Uhr auf der Matte.
Ein Photoshooting für das Pfingstgeflüster steht um 12.15 Uhr am Johannisfriedhof an.
Danach schauen wir uns die Ausstellung „Gesichter des Wave-Gotik-Treffens“ im angrenzenden Grassimuseum an. Die meisten abgebildeten Personen dort kenne ich sogar. Ich freue mich, Stephan und Franzi zu entdecken. Bilder der beiden hängen auch in den Bahnhofspromenaden und im Stadtgeschichtlichen Museum. Die Schwarzkittel sind allgegenwärtig. Geschäfte und Gaststätten sind schwarz. Das einzige, was oft gar nicht so sehr schwarz ist, sind einige der offensichtlich verkleideten WGT-Besucher. Mit der Szene an sich hat diese Veranstaltung nur noch wenig gemein. Aber schön, immerhin wird man mal vier Tage freundlich behandelt.
In der Agra suchen wir verzweifelt nach Fledermaus-Schmuck. Das ist heutzutage gar nicht mal so einfach, aber wir werden zum Glück irgendwann doch fündig und stopfen uns mit frisch gebackenem Handbrot voll, um auf das Konzert von Peter Murphy zu warten, das irgendwann in tiefster Nacht stattfinden wird.

Samstag ist für mich ein wichtiger Tag: Ich werde bei Wonderland 13 Kunden vor Ort zeichnen. Gotikieren. Ich liebe das. Gegen 17 Uhr muss ich allerdings die Location wechseln, da Agonoize eine Autogrammstunde haben. Aber das ist kein Problem: Zeichnen kann ich immer und überall und darum ziehe ich mit meinen Kunden einfach schräg gegenüber vor die Bäckerei Lukas. Dort entstehen noch einige Gotikaturen, die ich die Tage darauf bearbeiten und veröffentlichen werde.
Abends sind wir noch ein Weilchen auf der „A Night With The Cure“-Party.

Sonntag wollen wir eigentlich Lord Of The Lost sehen, doch das teuflische Regenwetter macht uns einen Strich durch die Rechnung und wir sind gezwungen, in der Agra-Markthalle herumzustromern. Dafür schauen wir zu später Stunde P.I.L., da die Gothmum gerne Johnny Rotten, den Sänger der legendären „Sex Pistols“ sehen möchte.
Sieben Euro für ein winziges Becherchen Wodka Energy finde ich etwas heftig, möglicherweise kaufen wir nächstes Jahr eine Obsorge-Karte, die es einem erlaubt, eigene Getränke mit aufs Gelände zu nehmen. Oder wir gehen einfach nur nach Leipzig auf schwarze Parallelveranstaltungen, für die man kein Bändchen braucht, mal sehen.

Montags sind wir einige Minuten beim Spontis Family Treffen im Park hinter der Moritzbastei und trödeln danach ein wenig in der Stadt herum, um leckere Pasta und Berge von Eiscreme zu essen. Gegen Abend sehen wir im Alten Landratsamt „Lament“, eine wavige Post-Punk-Band aus dem Leipziger Raum. Musikalisch ist sie mein persönliches Highlight. Der Sänger, der die Gothmum an einen Ägyptologen mit einer Prise Robert Smith erinnert, macht einen etwas verpeilten, aber sympathischen Eindruck und macht gute Arbeit, trotz seines offensichtlich kratzigen Halses. Wir verlassen die Location, um „Balzac“ im Täubchental zu sehen. Japanischer Horrorpunk, hören sich gut an, lediglich die Luftfeuchtigkeit in beiden Locations ist eher bedrückend. In der Hoffnung, „Pink Turns Blue“ sehen zu können, brechen wir zeitig zurück zum Landratsamt auf, um auf eine gewaltige Schlange vor dem Gebäude zu stoßen, die sicher einige hundert Meter die Straße hinab Richtung Hauptbahnhof führt. Ein Hineinkommen ist unmöglich.
Das ist natürlich schade, aber da wir komplett k.o. sind, finden wir uns damit ab.

Und schon ist das WGT wieder vorbei und unser Abreisetag ist gekommen. Die Gothmum wird noch eineinhalb Wochen in Leipzig bleiben, da sie einige Seminare an der Universität hat, meine Gruftine fliegt zurück nach Köln und ich mache mich auf den Weg nach Karlsruhe mit ein paar gemischten Gefühlen. Wir haben viele liebe Menschen getroffen und es war an sich eine schöne Zeit, aber irgendwie hat das WGT dieses Jahr nicht wirklich „Klick“ bei mir gemacht.

Nun ja, 2017 ist auch noch ein Jahr.

 

 

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Gothic Friday 2016: Wie bist du in die Szene gekommen?

Es ist eine Weile still gewesen hier auf meinem Blog. Verdammt still. Ich muss gestehen, dass ich in der Zwischenzeit fast vergessen hatte, dass diese Seite überhaupt noch existiert. Ich habe so viele Gotikaturen gezeichnet, dass ich den „Mondboten“ völlig verdrängt hatte und nun sehe ich mit Grausen all meine alten Peinlichkeiten, die ich in jugendlichem Grufti-Ernst verfasst hatte.

Auf Spontis gibt es mittlerweile wieder den „Gothic Friday“, was mich sehr freut, da ich mich noch gut an die vergangenen Beiträge all der bloggenden Schwarkittel erinnere und nun ist es wieder soweit. Thema: „Wie bist du in die Szene gekommen?“
Das ist zumindest für mich persönlich eine relativ einfache Antwort.
Ich wuchs als Lehrerkind bei meinen Eltern in Bruchsal, einer kleinen, verstaubten Beamtenstadt bei Karlsruhe auf. Da meine beiden älteren Schwestern bereits ausgezogen waren, als ich in die Pubertät kam, hatte ich niemanden, den ich großartig ärgern konnte, und so so war ich auf mich allein gestellt. Seit Kindesbeinen an, hatte ich eine große Affinität für Vampire. Ich liebte die Serie „Der Kleine Vampir“ von 1986 mit Jim Gray und ar begeistert von dessen Song „They Can See In The Dark“, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte.
Da ich schon damals sehr viel zeichnete, waren auch meine Illustrationen und Comics eher düster, was allerdings niemanden sonderlich zu stören schien. Im Gegenteil, oft hatte ich das Gefühl, dass sich kein Mensch für meinen Kruscht interessierte. Und so hatte ich alle Narrenfreiheit, die ich benötigte.
Eines Tages, es muss etwa 2004 gewesen sein, schleppte mich meine Schulfreundin Grit ins XtraX und den Spirit Shop, der sich damals noch am Prinz-Max-Palais direkt hinterm Europaplatz befand. Die Weihrauch- und Patchouly-geschwängerte Luft hatte es mir sofort angetan. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Die schwarzen Klamotten, der Silberschmuck, überall Schädel und Fledermäuse…. diese Ästhetik war einfach genial: Ich fühlte mich wahrhaftig wie in einer Gruft. Auch das etwas befremdliche, distanzierte Verhalten der anderen Kunden gefiel mir irgendwie. Es hatte etwas von einer anderen Welt, die ich heutzutage oft vermisse.
Auch musikalisch war hier vieles für mich neu. Da ich bereits vorher eher gitarrenlastige Musik bevorzugte, fand ich mich hier ebenso zu Hause und war erstaunt, dass mir plötzlich auch synthetische Klänge zusagten. So waren „Deine Lakaien“ eine der ersten „schwarzen Bands“ für mich.
Musikalisch habe ich mich allerdings über Lastfm und andere Plattformen „gebildet“ und blieb schon sehr früh bei meiner absoluten Lieblingsband „The Cure“ hängen, die mich bis heute begleiten.
Robert Smith war immer mein großes Vorbild, darum versuchte ich mich immer möglichst ähnlich wie er zu kleiden und mir auch seine Wuschelfrisur anzueignen.
Man kann mich gerne „Mainstream-Oldschool-Grufti“ nennen, das ist für mich ok, denn ich stehe dazu, dass ich die „Sisters Of Mercy“, aber auch Minimal Wave und so Kram heute immer noch höre und nicht jeden Scheiß des Undergrounds kenne, das möge man mir vergeben, denn ich bin jetzt einfach alt 🙂
Es folgten viele Konzerte und Festivals, meine Klamotten wurden immer schwärzer, bis ich nichts anderes mehr trug – selbst im Berufsleben ist es mir „Goth“ sei Dank gestattet.
Eigentlich ist dieser Blogbeitrag Blödsinn, denn was schreibe ich nicht schon Interessantes, was viele andere auch schon verfasst haben?
Also, richtig „in der Szene“ aufgenommen fühle ich mich, seit mein Projekt „Gotikatur“ etwas in Umlauf geraten ist und ich dadurch einiges zu tun habe. Es bereitet mir eine wahnsinnige Freude, zumindest einen kleinen, kreativen Teil zur schwarzen Szene beitragen zu dürfen. Das ist für mich Lebensinhalt. Das möchte ich tun, bis ich früher oder später sterben werde. Hoffentlich erst in einer Weile, aber bis dahin möchte ich noch sehr viel kritzeln 😉

Gastbeitrag: Das Manifest, das keinen interessiert

Ist es nicht schon fast ironisch amüsant, dass der Mensch der versucht Beziehungen zu kitten und Menschen zu versöhnen am Ende immer wieder der Sündenbock für alles und jeden ist? Man möchte doch meinen, die Geschichte hat uns das beigebracht aber dennoch – rennen wir immer wieder genau damit in unser verderben. Worte werden einem im Mund umgedreht und Sätze aus dem Zusammenhang gerissen weitergegeben mit völlig anderem Tenor. Eigene Fehler und eigene Schuld wird auf den Sündenbock abgegeben, als wäre er ein seelenfresser, dessen Aufgabe es ist die wuchernden Krebsgeschwüre des Fehlverhaltens anderer, sich zu eigen zu machen.
Es ist das einfachste und das angenehmste, dem Menschen der sich alle Seiten anhört und versucht zu verstehen, die Schuld an allem zu geben und ihn durch den Dreck zu ziehen, letztendlich auch mit Lügen. Witziger Weise gehen die meisten Menschen davon aus, das wenn man etwas nachvollziehen kann oder verstehen, man automatisch der gleichen Meinung ist. De, ist aber nicht so. Man kann vieles verstehen und es dennoch als falsch, unnötig und schlichtweg daneben befinden. Versteht man allerdings 5 Seiten zu einem Thema (es sei dahin gestellt wie man die Seiten für sich selbst sieht) ist irgendwann ein Punkt angelangt, an dem jedes Bestreben, keiner der fünf Seiten in den Rücken zu fallen, einfach unmöglich ist. Spätestens hier sollte man erkennen, dass man zu lange versucht hat zu verstehen, zu kitten und man einfach zu lange zugehört hat. An diesem Punkt muss man sich entscheiden. Sich selbst nicht in den Rücken zu fallen steht an oberster Stelle, danach der Mensch den man liebt. Die Entscheidung ist einfach, die Konsequenzen nicht. Denn dadurch, dass man zu lange zugehört hat, verstanden hat, und Menschen nicht verstehen zu scheinen, dass Verständnis nicht gleich gutheißen und Situationen genauso sehen bedeutet, ist man im Mittelpunkt des Kreuzfeuers. Es ist mehr eine Frage der Zeit, als eine Frage ob, bis jemand sich diesem Verständnis bedient um einem, den Strick draus zu drehen und den Sündenbock zu erschaffen. Logisch, wer kennt alle Meinungen und Gedanken? Wer war so naiv und glaubte Verständnis und zuhören würden Beziehungen retten können? Wer weiß schlichtweg zu viel und hat es gewagt dem Feind die gleiche Zeit zu schenken?
Der Sündenbock kommt nicht mehr zu Wort. Es ist egal, was er dazu zu sagen hat, oder wie es wirklich war.
Menschen brauchen jemanden dem sie die Schuld für ihr Fehlverhalten und ihre Probleme geben können. Was immer sie nachts besser schlafen lässt und sie tagsüber besser aussehen lässt. Wahrheit und Ehrlichkeit spielt in solchen Momenten keine Rolle mehr. Der Grundrespekt einem Menschen gegenüber einfach weil er Mensch ist, geht in dem Moment flöten, wenn man ihn zur Zielscheibe macht. Wozu Gedanken machen ob es wahr ist? Warum nachhaken und nachfragen? Wenn es doch so bequem ist.
Aus den Gründen kann man eine Gleichung erstellen. Einmal Sündenbock=nie wieder Vertrauen in die Menschheit. Denn es ist egal wie gut man etwas meint, wir sehr man sich bemüht, wie viel Dinge richtig zu machen einem bedeutet. Es wird immer irgendwann eine Situation kommen, in dem einem aus seiner Menschlichkeit und dem Glauben an das moralische menschliche in anderen ein Strick gedreht wird. Es ist was wahres dran, dass derjenige der helfen will der Dumme ist am Ende.
Vielleicht ist die Welt nicht bereit für Menschen die zu moralisch und gerecht sind, oder versuchen es zu sein. Den das gleiche Gehör für alle Seiten zu haben, ist plötzlich ungerecht und Verständnis zu haben bedeutet man hat zugestimmt. Vielleicht ist die Welt nicht bereit für keine schwarz/weiß Denker.
Ich hör dem Sündenbock zu. Weil er meistens fälschlicherweise einer wurde, so wie ich. Ich hör mir die Seite der verdammten an, weil sie meistens ehrlicher ist und ich selbst einer bin.
Und allen Rate ich nur als erstes mit dem Finger auf sich zu zeigen und den ersten Stein auf sich zu werfen. Dreimal zu überlegen bevor man sich sicher ist mit etwas und jemanden.
Und glaubt mir, Karma existiert.

Autor: Anonym

Young & Cold II

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Samstag, den 13. August 2014.
Mein Reisebus kriecht im Schneckentempo über die Autobahn A8 Karlsruhe via Stuttgart auf dem Weg nach Augsburg, tiefstes Bayern. Meine Mission: Lebendig das zweite Young & Cold Festival zu erreichen, dessen Debüt im vergangenen Jahr 2013 ich zu meiner Schande verschlafen habe. In der Hoffnung, noch rechtzeitig anzukommen, steht mir der Schweiß im Gesicht. Es ist nicht die Angst, vor der hohen Geschwindigkeit von nahezu einem Meter pro Stunde, sondern die Angst, etwas zu verpassen.Doch pünktlich um halb zwei am späten Nachmittag bleibt der völlig ausgepowerte Fernbus ächzend in einer Raststätte bei Augsburg stehen. Jippi! Nun nur noch schnell in die Straßenbahn gehüpft – was gar nicht so leicht ist nach fast drei Stunden Sitzen – und ab ins Hotel zu Stifi und Franzi, um der optischen Erscheinung noch die würdige Unterstreichung zu geben.

PIKES! Wohin das Auge reicht… ich habe bisher noch nie so viele Exemplare dieses alterwürdigen und fast anachronistischen Schuhwerks in einem Raum liegen sehen. Meine beiden Freunde scheinen ihre komplette Sammlung mitgenommen zu haben, denn irgendwie tauchen sie überall wieder auf, egal ob in Koffern oder hinter versteckten Schranktüren. Eine Wand aus Nebel kriecht bedrohlich aus dem Badezimmer entgegen. Es handelt sich um eine Mischung aus Haarspray und Toupier-Puder. Herrlich!
Auf meinem Haupt steht schon nach kurzer Zeit eine Miniaturvariante des Eiffelturms, nur nicht ganz so verrostet. Stifi sei Dank 🙂

Und auf geht’s. Weil ich leider aufgrund meiner Schicht den ersten Teil des Festivals am Freitag nicht miterleben konnte, bei dem unter anderem „Elvira And The Bats“ sowie die „Fliehenden Stürme“ spielten, will ich heute ganz genau aufpassen. Wurde Freitag das musikalische Augenmerk auf den Klang der Gitarre gelegt, so sind es heute die Synthesizer. In der Location angekommen, die übrigens zweistöckig ist, ertönen uns gleich die ersten Töne von „Neon Romance“. Haben sie mir auf Platte eigentlich ganz gut gefallen, so bin ich ein wenig von der optischen Erscheinung irritiert. Helene Fischer hatte ich gar nicht erwartet 🙂 Aber gut, jede Menge Leute sind gekommen, manche die ich bisher noch nicht persönlich getroffen habe, aber nun endlich auch mal „lebendig“ zu Gesicht bekomme, was mich sehr freut. Durch die Umbau-Pausen gibt es auch keine Überschneidungen, so dass man alle Bands sehen kann. Meine musikalischen Highlights an diesem Abend: „Oppenheimer MK II“, ehemals „Oppenheimer Analysis“ neben „Ben Bløødygrave“.Pikes

Fazit: Klein, fein, handgemacht und familiär. Pikes. Haare. Schwarz. Schön. Für mich ist das Young & Cold genau das, was es in der „Szene“ mehr geben sollte, fern vom schwarzen „Mainstream“, aber dennoch lässt es sich messen. Mein Favourit 2014. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder.

https://www.facebook.com/YoungAndColdFestival?fref=ts

Festival-Bilder: https://www.facebook.com/uomo.black.39/media_set?set=a.1461307857466587.100007621603527&type=3https://www.facebook.com/uomo.black.39/media_set?set=a.1461307237466649.100007621603527&type=3

Andy Winkler – Beitrag vom SWR

Immer wieder finde ich per Zufall Beiträge oder Reportagen, die mich faszinieren. So auch diesen kurzen Beitrag über den Fotografen Andy Winkler, der wahrhaft magische Bildwelten erschafft, bzw. einfängt. Es ist eine große Kunst, auf seinen Bildern eben die Gefühle wieder zu geben, die man hat, wenn man sie „real“ vor sich hat. Das schafft er auf ganz wundervolle Weise.

Übrigens hat er auch Seite über „den kleinen Vampir“, den sicher noch einige aus den Büchern von Angela Sommer-Bodenburg oder den verschiedenen Verfilmungen kennen. www.gruft-der-vampire.de

www.rumaenienburgen.com/

Weihnachtliche Dunkelkeit

Dunkelheit senkt sich übers Land. Die Städte leuchten schon in goldenem Lichterglanz und die Menschen hetzen tütenbeladen durch die überfüllten Straßen, die trotz der Eiseskälte noch nicht wirklich gefrieren wollen. Vereinzelt kämpft sich eine einsame Schneeflocke durch den ansonsten grau-nassen Himmel hinab auf Erden. Der Geruch von Glühwein – und leider auch betrunkener Menschen – liegt in der Luft. Ich schnleppe mich mit kratzigem Hals und triefender Nase von der Uni heimwärts richtung Straßenbahnhaltestelle, immer versuchend, die drängelnden Primark-Tüten zu umgehen, die sich einer Bataillon bunter, legginstragender Nussknacker-Weiblein gleichend, in die Allgegenwart rücken. Meine Vorweihnachtsstimmung: Ernüchternd, ich bin froh, wenn ich irgendwann zu Hause bin, um dort ganz in Ruhe Java-Programme zu schreiben, wie auch immer ich das hinbekommen soll.

Und auf einmal denke ich an meine Vergangenheit zurück, damals, als ich noch klein war und zusammen mit meiner Familie Weihnachten gefeiert habe. Ich sehe all die Lichter und Gerüche vor mir, die Forelle, die Oma an Heiligabend immer gemacht hat, die Bescherung – ich als Weihnachtsmann verkleidet, der meine Familie beschenkt, die das ganze nur mitmachen, weil ich noch ein Kind bin. Spätestens ab dem Gymnasium würden diese schönen Bilder einer schlichten, vorlesungsfreien Zeit weichen, in der man Kraft bis zur anstehenden Klassenarbeit (natürlich gleich Montags nach den Ferien) sammeln könnte. Und ich habe noch immer meinen Sinn für diese wohlig stimmungsvolle Zeit nicht verloren. Denn er lebt in meiner Erinnerung weiter, genauso wie meine Oma.

Auf dem „Schwarzen Planeten“ von Shan Dark habe ich einen tollen Artikel zum Krampus gefunden. Toll, dass diese traditionellen Sachen teilweise so düster sind, dass sie irgendwie zu meinem Lifestyle passen und ich das Gefühl habe, zwar in der falschen Zeit zu leben, aber sagen zu können: Nicht alles, was alt ist, ist schlecht 🙂

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