Punk Plus über den Tellerrand: Wave-Punk

Überraschenderweise habe ich kürzlich einen Artikel in einem Punk-Magazin gefunden, mit dem ich gar nicht gerechnet hätte. Es geht dabei um eine Artikelreihe, die sich mit Musik außerhalb des Tellerrands Punk beschäftigt. In dieser Ausgabe der „Plastic Bomb“ hat es „Wave-Punk“ erwischt. Ein Begriff, der eigentlich passend ist, allerdings auf die heutige musikalische Ausrichtung Punk nicht mehr wirklich zutreffen mag. In dem Artikel sieht man ganz gut, wie untrennbar in den 80ern Wave und seine Untergenres mit Punk verwoben waren. Aus heutiger Sicht ist das schwer nachzuvollziehen, wenn man sich nicht mit den Wurzeln düsterer Musik beschäftigt, die sich ganz offensichtlich unter anderem aus der in dem Artikel beschriebenen „Cold Wave“, „No Wave“ und „Dark Wave“ entwickelt hat. Die Rammstein-Fraktion wird damit sicher Probleme haben, entspricht das ja nicht unbedingt ihren Hörgewohnheiten, wage ich einmal zu pauschalisieren. Und wie der Autor des Artikels auch ganz nett schreibt:

„…daher empfehle ich an dieser Stelle noch fix X-MAL DEUTSCHLAND, die New Wave und Gothic Rock (nein, nicht das, was ihr jetzt denkt…) mischten…“

Der Begriff „Gothic“ hat sich in den letzten zwanzig Jahren zu etwas total anderem entwickelt, als ursprünglich angedacht (wenn man sich überhaupt in seiner Entstehung irgendetwas dazu gedacht haben sollte). Das ist traurig zu lesen, aber es ist die Wahrheit, da man heutzutage mit „Gothic“ Glühwürmchen oder Victoria-Francés-Kitsch assoziiert. Ich habe mir erlaubt, den entsprechenden Artikel hier einmal zu guttenbergen.

PunkPlus1  PunkPlus2

PunkPlus3

Advertisements

Andy Winkler – Beitrag vom SWR

Immer wieder finde ich per Zufall Beiträge oder Reportagen, die mich faszinieren. So auch diesen kurzen Beitrag über den Fotografen Andy Winkler, der wahrhaft magische Bildwelten erschafft, bzw. einfängt. Es ist eine große Kunst, auf seinen Bildern eben die Gefühle wieder zu geben, die man hat, wenn man sie „real“ vor sich hat. Das schafft er auf ganz wundervolle Weise.

Übrigens hat er auch Seite über „den kleinen Vampir“, den sicher noch einige aus den Büchern von Angela Sommer-Bodenburg oder den verschiedenen Verfilmungen kennen. www.gruft-der-vampire.de

www.rumaenienburgen.com/

Dresscode in der schwarzen Szene

BUTTONDer aktuelle Kolumnenbeitrag von Myk Jung im Gothic Magazine hat mich nachdenklich gestimmt.
Wir alle lieben die Farbe Schwarz. Wir tragen sie, weil es Teil unserer Persönlichkeit und unseres Stils ist. Das ist natürlich subjektiv, denn es gibt ja auch viele, denen es hauptsächlich „nur“ um die Musik geht und denen die Kleidung eher zweitrangig ist. Für mich persönlich ist die Kleidung eine optische Verdeutlichung des favorisierten Musikstils, so ist das ja in jeder Szene, aber auch der Persönlichkeit. Wobei natürlich jeder für sich selbst entscheidet, welche Bedeutung die Farbe „Schwarz“ hat. Das sei mal dahin gestellt.
In „unseren“ Clubs oder „Grüften“ wollen wir für uns sein und unsere Zeit mit uns ähnlichen Gestalten verbringen, weil das „unsere“ Welt ist, fernab vom Trubel, der aufgesetzten Heiterkeit und dem Gruppenzwang der harten, gewöhnlichen Gesellschaft.
Nur, sind wir eigentlich wirklich anders? Das leidige Thema Toleranz und Cyber etc. kommt jedes Mal zum Tragen, wenn man sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Wir schotten uns ab, schotten aber auch andere ab, die nicht so sind wie wir. Das kann natürlich erst einmal ein löbliches, subjektives Ziel für einen selbst sein, will man ja von Glotzern und Spießern in Ruhe gelassen werden. Gleichwohl sind wir aber selbst Glotzer und Spießer, im Grunde sind wir plötzlich das, was wir eigentlich verabscheuen. Hassen uns selbst. Und wer sich selbst nicht mag, dem können die anderen den Buckel runter rutschen. Das ist natürlich nicht schlimm, jeder daddelt vor sich selbst hin und lässt die Welt Welt sein. Wirklich bescheuert wird es meiner Meinung nach aber dann, wenn es zu einer Ideologie wird. Wenn man auf Websites von Veranstaltern Dinge zu lesen bekommt wie dies hier: http://nachtwerk.jimdo.com/hintergr%C3%BCndiges/

Es ist nicht verkehrt, sich seinen Schutzraum zu schaffen. Es ist vollkommen in Ordnung, ihn sich zu erhalten und ihn vor ungebetenen Gästen zu schützen. Dann sollte man dies aber in Form von Privatpartys mit geladenen Gästen tun und nicht darauf hoffen, dass man kommerziell erfolgreich damit ist. Denn kommerziell ausgerichtete Veranstaltungen ziehen nun mal jede Art von interessierten Gästen heran, ganz gleich, ob es sich um die tiefsten Schwarzträger oder den buntesten Buntträger handelt, im Idealfall noch agressiv oder sonstwie unhöflich. Denn Drohungen oder Gewalt gehen überhaupt nicht. Nichts spricht gegen Klatsch und Tratsch, aber bitte in friedlicher Form. Daher fand ich es sehr interessant, Myk Jungs Artikel hier zu veröffentlichen, um mal seine subjektive Meinung zu diesem Thema „Dresscodes“ in der Szene zu veranschaulichen. Und bei seinen Folgerungen habe ich schon ein wenig Bauchschmerzen bekommen.

Meine persönliche Einstellung ist, dass „schwarze Szene“ auch schwarze Kleidung bedeutet. Ich persönlich würde nie auf den Gedanken kommen, in Schweinchenrosa mit Blue-Jeans und Nike-Schuhe auf einer Gruftie-Tanzfläche herumzuwirbeln. Dazu würde erstens mein Gesicht voll Scham schweinchenrosa anlaufen und zweitens mag ich persönlich keine bunten Klamotten an mir. Das bringt mich zum zweiten Punkt: Wenn ein oder zwei Farbkleckse in der schwarzen Masse auftauchen, ist das nicht mein Problem. Meine Sorge ist eher die, dass ich der einzige wäre, der in Schwarz zwischen lauter bunt gekleideten Menschen rumtanzt. Auf einer schwarzen Party. Dann wäre wirklich etwas schief gelaufen, zumindest syntaktisch von den anderen her. Ich lasse andere machen, was sie wollen, solange sie mir nicht auf die Nerven gehen. Es ist mir egal, ob da ein paar Cyber-Krieger, die mich immer an Aliens aus „Avatar“ erinnern, herumhüpfen, solange sie nicht die Mehrheit bilden und die gespielten Musikwünsche des Abends dominieren. Denn dann wüsste ich, dass es Zeit ist, für mich zu gehen. Nach Hause zu fahren, um dort meinen Abend mit vertrauten Klängen und in Kerzenschein zu verbringen, so wie ich es mag. Denn jeder ist sich selbst der „Szenste“.

Das Copyright light natürlich beim Gothic Magazine, sollte es Beanstandungen geben, werde ich die Grafik selbstverständlich entfernen.

dresscode

Weihnachtliche Dunkelkeit

Dunkelheit senkt sich übers Land. Die Städte leuchten schon in goldenem Lichterglanz und die Menschen hetzen tütenbeladen durch die überfüllten Straßen, die trotz der Eiseskälte noch nicht wirklich gefrieren wollen. Vereinzelt kämpft sich eine einsame Schneeflocke durch den ansonsten grau-nassen Himmel hinab auf Erden. Der Geruch von Glühwein – und leider auch betrunkener Menschen – liegt in der Luft. Ich schnleppe mich mit kratzigem Hals und triefender Nase von der Uni heimwärts richtung Straßenbahnhaltestelle, immer versuchend, die drängelnden Primark-Tüten zu umgehen, die sich einer Bataillon bunter, legginstragender Nussknacker-Weiblein gleichend, in die Allgegenwart rücken. Meine Vorweihnachtsstimmung: Ernüchternd, ich bin froh, wenn ich irgendwann zu Hause bin, um dort ganz in Ruhe Java-Programme zu schreiben, wie auch immer ich das hinbekommen soll.

Und auf einmal denke ich an meine Vergangenheit zurück, damals, als ich noch klein war und zusammen mit meiner Familie Weihnachten gefeiert habe. Ich sehe all die Lichter und Gerüche vor mir, die Forelle, die Oma an Heiligabend immer gemacht hat, die Bescherung – ich als Weihnachtsmann verkleidet, der meine Familie beschenkt, die das ganze nur mitmachen, weil ich noch ein Kind bin. Spätestens ab dem Gymnasium würden diese schönen Bilder einer schlichten, vorlesungsfreien Zeit weichen, in der man Kraft bis zur anstehenden Klassenarbeit (natürlich gleich Montags nach den Ferien) sammeln könnte. Und ich habe noch immer meinen Sinn für diese wohlig stimmungsvolle Zeit nicht verloren. Denn er lebt in meiner Erinnerung weiter, genauso wie meine Oma.

Auf dem „Schwarzen Planeten“ von Shan Dark habe ich einen tollen Artikel zum Krampus gefunden. Toll, dass diese traditionellen Sachen teilweise so düster sind, dass sie irgendwie zu meinem Lifestyle passen und ich das Gefühl habe, zwar in der falschen Zeit zu leben, aber sagen zu können: Nicht alles, was alt ist, ist schlecht 🙂

Black3

Bauhaus 5 Albums Box Set [Box-Set]

 

811QfunZBdL._SL1401_

Bauhaus ist eine der bekanntesten Goth-Rock-Bands der frühen 80er und stilprägend für viele andere Bands, die teilweise aus ganz anderen musikalischen Spektren stammen. Die Bauhaus waren bekannt für ihren exzentrischen Sänger, Peter Murphy, der dieses Jahr wieder einmal Schlagzeilen gemacht, unter Drogen beeinflusst einen Autounfall verursacht hat.

Das ist natürlich bedauerlich, sollte aber nicht das große musikalische Schaffen infrage stellen, das Bauhaus als Band geleistet hat.

In diesen Tagen kommt ein 5-Disc-Boxset heraus, das die klassischen Alben „In The Flatfield“, „Mask“, „Burning From The Inside“, „The Sky’s Gone Out“ und eine CD voller Singles inklusive des David Bowie-Covers „Ziggy Stardust“ enthält.

Die Aufmachung ist durchaus Bauhaus-Stil. Die Silberlinge stecken jeweils in dünnen Papphüllen, während ein beiliegendes Leporello-Booklet Platz für Informationen zu den Alben bietet. Weniger ist mehr, denn hier kommt es auf die Musik an, diese jetzt zu beschreiben, wäre sinnlos, gibt es im Netz und einschlägigen Printmedien unzählige gute Rezensionen. Für mich ist diese Box absolute Pflicht, denn die enthaltenen Alben haben „schwarze“ Musikgeschichte geschrieben. Ich wünschte mir sehr, viele jüngere Grufties würden Bauhaus zumindest kennen, und damit meine ich natürlich weder den Baumarkt noch die Universität, sondern diese auf den ersten Blick unscheinbare, aber dennoch tiefdüstere Band der 80er Jahre.

Goth Challenge – Album Top2 der Woche

challenge-iconHeute stelle ich kurz eine Band vor, die ich in den letzten Tagen sehr oft höre: „All Gone Dead“ vorstellen, das leider nur kurz währende Deathrock-Projekt von Stich, ehemals „Tragic Black“, Barb, auch bekannt als Djane Darlin‘ Grave and Steve Pollytrama.

All Gone Dead wurde Anfang 2004 in London gegründet und nach einigem Hin und her zu einem „Quartett“ aufgebaut. Die Band erlangte schon recht bald auch außerhalb Großbritanniens, Europas und der USA vor allem in Deathrock- und Goth-Kreisen Bekanntheit.

Dank ihrer Demo  Conceiving The Subversion, die komplett in Heimarbeit entstand, wurden „All Gone Dead“ vom „Gothic Magazine“ als beste Goth-Band ohne Labelvertrag ausgezeichnet.

Im Januar 2006 veröffentlichten sie ihr erstes und einziges Album „Fallen & Forgotten“. Daraufhin folgte eine große Europa-Tour, während dieser sie auch auf dem Wave-Gotik-Treffen spielten. Irgendwann 2008 gaben sie dann allerdings ihre Trennung bekannt.

Zum Abschluss noch ein kleiner Song einer Band, die ich ebenfalls sehr schätze und die gewöhnlicherweise etwas punkiger klingt, aber zu diesem äußerst gemütlichen Herbstwetter passt dieses noch viel gemütlichere Lied.
„Fallen“ heißt es und stammt von Zadera.

Goth Challenge – Top2 der Woche

challenge-iconDas Jahr 1982 – in diesem Jahr kamen gleich zwei Alben heraus, die die Musik der noch jungen schwarzen Szene entschieden prägten: „Pornography“ von The Cure und „A Kiss In The Dreamhouse“ von Siouxsie & The Banshees, meinen beiden Proto-Goth-Veteranen.
„Pornography“ überzeugte mich besonders wegen den schweren und hoffnungslosen (Contra)Bässen, die dem ganzen eine sehr finstere Note geben und den Hörer in eine Teufelsspirale hineinziehen, aus der man schwer wieder herauskommt. Besondere Anspieltips sind „Cold“, welches gerne oft von anderen Bands und Künstlern gecovert wird, und „The Hanging Garden“.

Siouxsie_&_the_Banshees-A_Kiss_in_the_DreamhouseThe Cure - Pornography

„A Kiss In The Dreamhouse“ überzeugt nicht nur musikalisch sondern auch optisch. Beim Artwork orientierte man sich offensichtlich an Malereien von Gustav Klimt, einem bedeutenden Vertreter des österreichischen Jugendstils. Musikalisch geht es durchaus „golden“ zu, wie es auch das Artwork schon verrät. Siouxsie & The Banshees nutzen viele orientalische Elemente, die man bereits im Eröffnungssong „Cascade“ heraushören kann.

Eine Gemeinsamkeit haben beide Alben noch: Sie haben beide jeweils weniger als zehn Titel und sind somit eher „Mini-Alben“, was sie jedoch in meinen Augen zu etwas ganz besonderem macht, kurz, aber oho. Speziell „Pornography“ ist für mich DAS „Gothic“-Album schlechthin. Kennen viele The Cure oft nur als die beschwingt-melancholische Kinderzimmer-Psycho Band mit „Friday I’m In Love“, zeigen sie hier ihre dunkle Seite einer Zeit, in denen Gothic noch neu war und erst noch erfunden werden musste, was heutzutage ja leider oft ausgeschöpft ist. Für viele ist „Disintegration“ DAS The Cure – Album, ich bevorzuge allerdings „Pornography“. Neben „Hyaena“ gefällt mir „A Kiss In The Dreamhouse“ von Siouxsie & The Banshees am Besten vor allem durch die hypnotische Atmosphäre, die diese Alben erzeugen.

Meine beiden Top2-Alben der Woche 🙂